GLOBALES LERNEN zwischen politischem Bildungsauftrag, Apokalypse,
Klimagerechtigkeit und Handlungsdruck

Dokumentation der Fachtagung am 1. und 2. Oktober 2019
im Tagungshaus Alte Feuerwache in Berlin-Kreuzberg.

 

Weltweite aktivistische Bewegungen wie Fridays for Future oder Extinction Rebellion fordern angesichts der Klimakrise schnelles und radikales Handeln, um eine Klimapolitik durchzusetzen, die eine solidarische Zukunft auf einem lebenswerten Planeten ermöglicht. Wir sind die letzte Generation, die noch die Chance hat, den globalen Klimawandel auf ein erträgliches Ausmaß abzumildern. Allerdings wirkt ein durchaus oft anzutreffender apokalyptischer Blick auf die Klimakrise lähmend. Die Forderung nach Verzicht und Selbstbegrenzung im Namen der Weltrettung führt unter Umständen auch dazu, die Klimafrage und entsprechende Lösungswege zu privatisieren. Dabei erfordert unsere Lebens- und Wirtschaftsweise die Transformation unserer gesamten Gesellschaft. Globales Lernen muss in diesem Spannungsfeld und angesichts der dramatischen Folgen der Klimakrise nachhaltige Antworten auf die Frage nach einer gerechten Zukunft für die Weltgesellschaft in einer postfossilen Ära finden. Wie kann Globales Lernen politisch verändernd wirken, anstatt Endzeitstimmung zu fördern? Wie radikal kann und darf politische Bildung letztendlich sein? Mit welchen Konzepten kann Globales Lernen für eine ökologische Modernisierung eintreten, dabei Perspektiven des Globalen Südens in den Blick nehmen sowie Interessenkonflikte in Transformationsgesellschaften reflektieren? Um diese Fragen zu diskutieren, lud das Entwicklungspolitische Bildungs- und Informationszentrum Berlin (EPIZ e. V.) Anfang Oktober 2019 bundesweit zu einer Tagung nach Berlin ein. Zwei Tage lang diskutierten 70 Vertreter*innen von Schulen, Nichtregierungsorganisationen und der öffentlichen Verwaltung gemeinsam mit Wissenschaftler*innen, Journalist*innen und Aktivist*innen mögliche Wege, den Herausforderungen der Klimakrise in der politischen Bildung und dem Globalen Lernen zu begegnen. Mit der vorliegenden Tagungsdokumentation möchten wir – die Organisator*innen der Tagung – den Teilnehmenden und der interessierten (Fach-) Öffentlichkeit Inhalte, Impulse und Impressionen einer uns sehr inspirierenden Tagung vermitteln. Sie finden die nur geringfügig bearbeitete Verschriftlichung des Eröffnungsvortrags von Mandy Singer-Brodowski vom Institut Futur der Freien Universität Berlin. Mit dem Titel Klimakrise, Große Transformation und globale Gerechtigkeit hat sie dem weiteren Verlauf der Tagung spannende Perspektiven, Fragestellungen und Denkanstöße gegeben. Mandy Singer-Brodowski diskutierte mit uns systemkritische Ansätze für die Bildungsarbeit, die neue gesellschaftspolitische Projekte sowie zukunftsfähige Lebensformen anregen und Wege hin zu einer sozialökologischen Transformation aufzeigen können.